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Versöhnung von Nachfahren

der NS-Täter und Opfer der Shoa zum jüdischen Pessach und christlichem Ostern – 70 Jahre nach dem Holocaust. „Marsch des Lebens Schwäbisch Hall-Hessental 2015“ mit verschiedenen Veranstaltungen am 05. und 06. April 2015.

Versöhnung von Nachfahren70 Jahre nach dem Holocaust haben wir als Deutsche und als Christen die Chance entlang der Todesmärsche Zeichen zu setzen: Zeichen der Umkehr, der Versöhnung und der Hoffnung. Auf den Märschen, auf denen der Tod regierte soll neues Leben entstehen: Leben auf der Basis von Wahrhaftigkeit, Demut und Versöhnung.

Das Schweigen in unseren deutschen Familien zu durchbrechen ist unser Wunsch. Die Nachfahren der NS-Täter sprechen aus, wofür ihre Vorfahren keine Worte gefunden haben und bitten stellvertretend um Vergebung.

Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental berichtet S.E. Botschafter des Friedens, Janusz Kling aus Polen von der tragischen Leidensgeschichte seiner Familie. Kling sagte „nicht Ideologie, Parteien, Rassen-, Religions- und Kulturzugehörigkeit entscheiden, sondern das persönliche Gewissen“. Hierzu brachte er das Beispiel von seiner Großmutter und dem Gruppenführer. Dieser Wehrmachtsoffizier hatte ein Gewissen und folgte diesem ganz unabhängig von den offiziellen Nazi-Befehlen und der -Ideologie, um Mensch zu bleiben. Er wusste, dass nach Gräueltaten dann nur noch der Selbstmord als Ausweg blieb. Kling betonte: „Wichtig im Leben ist es, rechtzeitig Entscheidungen zu treffen, die mit dem persönlichen Gewissen vereinbar sind.“

Später, nach dem Gedenk- und Versöhnungsmarsch fand Janusz Kling auf dem Marktplatz Schwäbisch Hall hoffnungsvolle Worte, den begonnenen Friedensprozess am Laufen zu halten. Kling: „nicht Ideologie, Parteien, Rassen-, Religions- und Kulturzugehörigkeit sind wichtig im Leben, sondern gute Zusammenarbeit unter den Menschen. In Liebe und Frieden zu leben, ist entscheidend für unseren gemeinsamen Frieden.“
Mit einzelnen Schritten beschrieb Kling den Friedensprozess:
„Information – Wissen – Verstehen - Toleranz – Friede.“
Auf diesem Weg der Versöhnung können wir es schaffen Religions- und Rassenhass gegenüber Fremden zu überwinden, damit die grausame Vergangenheit nie wieder kommt.“ „In Liebe und Frieden umarme ich euch alle mit euren Familien und wünsche alles Gute.“ schließt Kling.
Dann setzt er neu an und sagt: „Ich habe Mitleid mit den Nachkommen der NS-Täterfamilien. Euer Leiden, eure Schmerzen und euren Scham kann ich gut verstehen und ich bewundere den Mut derjenigen, die es aussprechen konnten. Dieses Trauma ist noch nicht überwunden. Wir beide, Nachfahren der Opfer und Nachfahren der Täter sind Opfer der NS-Vergangenheit.
Gemeinsam wollen wir uns auf diesen freundschaftlichen Weg machen und dabei auch an unsere Kinder und Enkel denken.“


Dafür steht der Marsch des Lebens:

1. Erinnern. Aufbereitung der Vergangenheit. Holocaustüberlebenden und anderen Zeitzeugen eine Stimme geben.

2. Versöhnen. Heilung und Wiederherstellung zwischen den Nachkommen der Täter- und Opfergeneration.

3. Für ein unüberhörbares "Nie wieder!" gegen den modernen Antisemitismus unserer Zeit und für ein Zeichen für Israel.

geschrieben von Lutz Huschmann am 10.04.2015 um 00:00 Uhr.


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